Soziologische Diskussionen im Internet
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Soziologische Diskussionen im Internet
Guten Tag,
was ist eure Einschätzung:
- Warum gibt es im Internet keine wissenschaftsnahen, soziologische Diskussionen, trotz zig Tausender, die das Fach im Haupt- oder Nebenfach studiert haben und mancher, die es rein privat interessiert? Oder gibt es an den Unis nur noch "learning for the test" und eine Anwendung auf das alltägliche uns umgebende Leben und der Bezug zum eigenen Dasein wird von den Studis gar nicht mehr hergestellt, so dass auch kein Gesprächsbedarf vorhanden ist?
- Findet die Diskussion woanders statt, als in den beiden Soziologieforen, oder gibt es es sie (die Diskussion) wirklich nicht?
- Wie ist es international, kennt ihr da soziologische Fachforen, die "leben"?
Beste Grüße
 
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| 02.05.2011 10:45 |
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Schätzo
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RE: Soziologische Diskussionen im Internet
Hallo Dreifach-Grinser,
- Warum gibt es im Internet keine wissenschaftsnahen, soziologische Diskussionen, trotz zig Tausender, die das Fach im Haupt- oder Nebenfach studiert haben und mancher, die es rein privat interessiert? Oder gibt es an den Unis nur noch "learning for the test" und eine Anwendung auf das alltägliche uns umgebende Leben und der Bezug zum eigenen Dasein wird von den Studis gar nicht mehr hergestellt, so dass auch kein Gesprächsbedarf vorhanden ist?
Ich denke, dass es schon eine Menge "learning for the test" Studenten gibt. Viele Leute wollen hauptsächlich erstmal an die Uni und ein Studentenleben ausprobieren. Dann müssen sie halt irgendwas wählen. "Hm ja Soziologie... interessant... komm ich auch mit meinem schlechten Abi rein... auch nicht zu schwierig mit Mathe oder so..." Tieferes Interesse, für das man auch die Freizeit opfert, ist da eher bei der Minderheit vorhanden, würde ich sagen.
- Findet die Diskussion woanders statt, als in den beiden Soziologieforen, oder gibt es es sie (die Diskussion) wirklich nicht?
In "dem anderen" Soziologieforum gab es ja früher mal mehr Diskussion. Um das Forum hat sich aber keiner der Admins gekümmert, sondern es wurden einfach nur Beiträge kommentarlos gelöscht. So kann man die Diskussion natürlich auch zerstören. Mittlerweile scheint die ehemals leidensfähige Community dort ausgelöscht zu sein, jedenfalls stirbt das Forum sichtbar und hier ist langsam etwas mehr los als dort.
Aber ich schätze, die große Diskussion gibt es abseits davon im Internet wirklich (noch) nicht. Die Soziologen, die was auf sich halten, machen dann lieber ihren Uni-internen Kram mit kryptischen Soziologenbegriffen. Übers Internet und mit allgemeinverständlicher Sprache kommt man ja schließlich nicht an den Gatekeepern zum Elfenbeinturm vorbei. Aber die Soziologie wird sich noch umgucken mit dieser Einstellung. Auf Dauer geht das so nicht weiter, denn die Soziologie koppelt sich immer weiter von den Menschen ab, bis sie antiquiert und in der Bedeutungslosigkeit versinkt. Diese Tendenzen sehe ich jetzt schon.
Dieser Beitrag wurde zuletzt bearbeitet: 04.05.2011 13:14 von Schätzo.
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| 04.05.2011 13:11 |
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Sonntagssoziologe
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RE: Soziologische Diskussionen im Internet
Das ist wirklich etwas komisch, denn philosophische und politische Foren sind ja gut belebt. Ich denke, dass sich die Zivilisten mit ihren Fragen eher dort aufgehoben fühlen, obgleich sie viele auch hier diskutieren könnten. Das leuchtet mir näher nachgedacht auch ein. Für die aktuellen sozialen Fragen wirft man sich eben ins aktuelle Politikforum und wenns tiefgründiger wird, hält man die Philosophie für kompetent. Die Soziologie, irgendwo dazwischen, hat es da schwer. Sie kann sich in beide Bereiche einbringen, aber hier scheinbar nicht Leute aus diesen Bereichen heranziehen.
Der andere Punkt wurde ja schon angesprochen, mangelndes Interesse der SoWi-Studenten selbst. zum einen gibt es für Fachfragen meist Fachschafts-Internetforen der Unis. Die decken den Bedarf der reinen Klausurstudenten schon.
Ich habe das nicht nachgeprüft, aber gefühlt wüßte ich keine andere etablierte Disziplin, die ähnlich wenig Diskussionsplattforen hat wie die Soziologie. Die Fahnen stehen auf Praxisbezug und kurzfristige Anwendbarkeit. Da stehts um die Soziologie nicht gut. Es gibt i-wo ne Untersuchung, dass BWLer schneller in einen Job kommen als SoWis, letztere aber nach 5 Jahren weniger schnell entlassen werden als die BWLer. Erklärt wird das damit, dass sich der Nutzen eines SoWis für die Firma erst nach längerer Zeit herausstellt. Mit BWL läßt sich recht zügig auf Gewinnmaximierung hinsteuern, wenn man aber Organisationsstrukturen anpasst rechnet das sich ja nicht sofort sichtbar im nächsten Quartal. Nach ein paar Jahren aber vielleicht schon. Jedenfalls bedeutet das, Soziologie produziert keine kurzfristigen Lösungen, sondern braucht längeren Atem. Kurzfristig kann sie vielleicht Erklärungen liefern für bestimmte Zustände. Aber auch hier ist der Bedarf nicht da, Erklärungen sind was für "Labertaschen" wir brauchen Lösungen, Lösungen, Lösungen, sofort und schnell wirksam ...
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| 08.09.2011 23:53 |
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RE: Soziologische Diskussionen im Internet
Ein weiter Punkt, der mich persönlich stört, ist das immer noch auf Print fixierte wissenschaftliche Zeitschriftenwesen. Da diese Publikationen im normalen Handel gar nicht erhältlich sind und wenn man sie beschaffen will, die Abopreise nicht gerade preiswert sind, ist eine verschwindend geringe Leserschaft außerhalb von Berufswissenschaftlern garantiert. Da könnte auch mal dazu übergegangen werden, die Artikel online verfügbar zu machen und eine Kommentar- und Diskussionsplattform pro Veröffentlichung anzubieten. Sowas ist technisch heute relativ leicht zu realisieren. Im eigenen Interesse der Soziologie, wohlgemerkt! Mit einer weiteren Marginalisierung, wissenschaftlich, wie gesellschaftlich, durch das Nicht-Herstellen von Öffentlichkeit, ist keinem gedient.
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Dieser Beitrag wurde zuletzt bearbeitet: 09.09.2011 16:49 von ☺☺☺.
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| 09.09.2011 16:48 |
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Sonntagssoziologe
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RE: Soziologische Diskussionen im Internet
Das finde ich einen wichtigen Punkt. Als Student hatten mich die Abopreise auch abgeschreckt. Wenn man dann nicht wirklich in der Unibibliothek danach stöbert, gehen die Fachdiskussionen ziemlich unbemerkt an einem vorbei.
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| 09.09.2011 19:31 |
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RE: Soziologische Diskussionen im Internet
Hab gerade auf deiner Seite den kleinen Artikel zu unsere Diskussion hier gesehen: Es ist schon bezeichnend, wenn sich nicht mal eine handvoll Interessenten findet, die über die nahezu vollständige Abwesenheit (!) einer soziologisch-geprägten Diskussionskultur im Netz sprechen wollen. Auch von den derzeitigen Professoren sehe ich fast keine Teilnahme an der Netzkultur, etwa in Form eines Blogs o. ä. Korrigiert mich, wenn ich falsch liege.
Zwar bin ich der letzte, der einer ökonomischen Kolonialisierung der Soziologie das Wort reden will, aber etwas Selbstmarketing wäre wohl nicht ganz verkehrt. Dein Podcast und die wenigen anderen, die es gibt, sind da ein guter Anfang.
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| 09.09.2011 21:54 |
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Schätzo
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RE: Soziologische Diskussionen im Internet
Wie hier ja auch angemerkt wurde, ist die Veröffentlichungskultur in der Wissenschaft noch sehr von Papier geprägt. Blogs bringen keinen Mehrwert für die eigene wissenschaftliche Karriere. Da zählen nur die Fachzeitschriften. Das gleiche gilt ja auch für die Lehre, die bringt auch keine Reputation.
Ja, das meinte ich auch mit meinem Beitrag. Viele scheinen nicht zu begreifen, dass man über andere, neue, "fremde" Plattformen evtl. zusätzliches oder anderes Publikum erreichen kann. Wie gesagt, alles sehr antiquiert und obrigkeitshörig. Auch wenn die Fachzeitschriften kein Schwein liest. Und dass die Lehre keine Reputation bringt ist sowieso ein Unding an der Uni...
Mir ist da noch etwas eingefallen. Da soziologische Kommentare vielleicht auch mal kritisch ausfallen können und nicht immer der "Mehrheitsmeinung" entsprechen, könnte vielleicht die Angst dabei sein, dass man das "Falsche" schreiben könnte. Da das Netz ein gutes Gedächtnis hat und man ja von potentiellen Arbeitgebern durchaus gegooglet wird, könnte vielleicht die Befürchtung dahinter stehen, Nachteile erleiden zu müssen, wenn man sich soziologisch fundiert, kritisch äußert.
Das könnte sein. Aber ich finde, wenn man solche Ängste hat, sollte man lieber nicht Soziologe werden. Aber auch in anderen Feldern gehört oft etwas Mut dazu, wenn man was erreichen will. Es gibt außerdem sicherlich auch Arbeitgeber, die es vielmehr als Bonus werten, wenn jemand kritisch denken kann.
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| 12.09.2011 12:35 |
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RE: Soziologische Diskussionen im Internet
Ich spiele seit einiger Zeit mit dem Gedanken eine Plattform zu schaffen, mit dem sich der eher verstreute und fragmentierte wissenschaftliche Diskurs im Internet stärker zentralisieren und bündeln ließe. Im Sinne eines "Schaut mal her, was es alles interessantes zu Hören, zu Sehen, zu Lesen und zu Diskutieren gibt und macht mit". Wo man etwa auch einige der soziologischen Podcasts portalartig zusammenführen könnte. Meint ihr sowas hat Sinn?
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Dieser Beitrag wurde zuletzt bearbeitet: 12.09.2011 20:29 von ☺☺☺.
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| 12.09.2011 20:17 |
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Sonntagssoziologe
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RE: Soziologische Diskussionen im Internet
Hier erfahren wir,
http://www.youtube.com/watch?v=TvA4e1Y_cmc
dass aus Sicht von Michael Hartmann sich Soziologen hauptsächlich aus Personen rekrutieren, die entweder eigentlich Psychologie studieren wollten oder später im Personalwesen etc. arbeiten möchten. Dass passt dann sehr gut ins Bild.
Dass sich die Soziologie nicht einmischt, weil sie eher beobachtet, mag stimmen, hindert einen Soziologen dennoch nicht daran, sich als Person mit soziologischem Hintergrund einzumischen.
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| 12.09.2011 20:35 |
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RE: Soziologische Diskussionen im Internet
Ich habe mich in der letzten Zeit nochmal intensiv mit der Frage einer eigenen andersartigen Wissenschaftsplattform beschäftigt, insbesondere auch rechtlich. Als Betreiber einer interaktiven Webseite gibt es, soweit ich das bis jetzt überblicke erhebliche Haftungsrisiken, die entweder teuer werden oder (falls unberechtigt) viel Stress machen. Auch besteht die Gefahr des Informationsmissbrauchs, da die eigenen Daten im Impressum frei verfügbar sind. Ich würd mich freuen, wenn einige von euch, die einen Blog betreiben oder auch der Admin dieses Forums etwas dazu sagen könnte, wie ihr mit den Haftungsrisiken aus eurer Webseite umgeht und ob ihr schonmal Ärger deswegen hattet.
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Dieser Beitrag wurde zuletzt bearbeitet: 22.11.2011 10:20 von ☺☺☺.
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| 22.11.2011 10:18 |
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