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Hausarbeit: Luhmann und das Internet
27.12.2011, 19:59
Beitrag: #1
Question Hausarbeit: Luhmann und das Internet
Hallo ihr Lieben

ich schreibe zur Zeit meine Hausarbeit zu dem Thema der Massenmedientheorie und Luhmann.

Ich fände es toll, wenn einer von euch mal kurz drüber gucken würde. Sind bisher nur 13 Seiten. aber ich quäle mcih schon seit 2 Monaten damit rum und ich komme zu nichts. ich weiß nicht, ob das, was ich bisher gemacht habe, sinnvoll ist.

habe die massenmedien entwicklung als ausdifferenzierung beschrieben. das dann auch auf das internet bezogen (vom ur-netz ARPA bis WEB 2.0)


habe die gedächtnisleistung und beschreibung der gesellschaft als hauptaufgabe der massenmedien herausgestellt und dies auf das internet bezogen.

der letzte wichtige punkt soll nun die programmbereiche betreffen. also nachrichten und berichte, werbung und unterhaltung im internet identifizieren. habe das mit kommerz im internet (vgl amazon und so) und halt auch seiten wie tagesschau und google als infogarant gemacht. macht sowas sinn??


unterhaltung fehlt noch ...youtube und sendungen, die online abrufbar sind, sowie internetforen sollen hier die bezugspunkte werden ....

facebook will ich als anschauliches beispiel verwenden, dass nochmal alles vereint: auch die arbeit am individuum, was die massenmedien ja auch tun . klingt das für euch nach itwas brauchbarem?

ich bin iwie am ende....weiß nicht weiter...bin themenblind. bitte wenn mir einer antworten könnte, wäre das einfach toll!


ich danke euch!!!
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28.12.2011, 14:36
Beitrag: #2
RE: Hausarbeit: Luhmann und das Internet
Hallo auch,

für mich klingt das danach, als ob du überhaupt keine konkrete Fragestellung hast - dann kann das auch nicht klappen mit der Hausarbeit. Dir fehlt eine strukturierende Frage. Ein Thema allein ist nicht genug bzw. deines ist viel zu breit, du versuchst ja geradezu das gesamte Internet in seiner Bedeutung hervorzuheben - wie willst du das in einer Hausarbeit schaffen? Gedächtnisleistung, Beschreibung der Gesellschaft, Ausdifferenzierung, tagesschau.de, google, Youtube, Facebook... völlig überladen!

Ich würde als erste Adresse deinen Dozenten/deine DozentIn vorschlagen. Ich verstehe nicht, warum Studenten immer so eine große Scheu haben, mit diesen zu sprechen. Diese sind doch auch für die Betreuung der Hausarbeit zuständig und wird dir sicher gern helfen eine Fragestellung auszuarbeiten, die zum Seminar passt und dir hilft, das zu strukturieren, was du bisher geschrieben hast.

Nicht verzagen, den Dozenten fragen :-) Ist auch bereits deshalb eine gute Adresse, weil du dann erfährst, was ihn so an dem Thema interessiert: Die beste Voraussetzung, eine gute Hausarbeit zu schreiben. Und falls der wirklich nicht helfen will, kannst du ja hier nochmal jemanden fragen.
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28.12.2011, 15:00
Beitrag: #3
RE: Hausarbeit: Luhmann und das Internet
@autopoiet "Nicht verzagen, den Dozenten fragen ..." Mit diesem Ratschlag könnte man auch völlig daneben liegen. Die Aufgabe von Universitätsdozenten besteht, was die Studentenbetreuung angeht, in der Hauptsache darin, die Masse abzuwimmeln, weil der Druck, der durch die Masse von Studenten entsteht, nur durch Schikanierung, hier: durch Unerreichbarkeit, abgemildert wird. Das könnte erklären, weshalb man sich woanders, z.B. im Internet umschaut, ob von daher Hilfe kommt. Aber statt dessen kommt von dort der Ratschlag, sich wieder dorthin zu wenden, wo man es schon vergeblich versucht hat.
Dieses Abwimmlen von Studenten aufgrund ihres massenhaften Aufschlagens in den Universitäten scheint mir eine Exkulusionsstratgie der Wissenschaftsorganisation zu sein. Das liegt daran, dass ein Funktionssystem wie Wissenschaft nicht selbst über Inklusion/Exklusion befinden kann. Dem Funktionssystem kann lediglich metaphorisch Ansprechbarkeit und Antwortmöglichkeiten zugeschrieben werden. Das Funktionssystem selbst ist völlig indifferent, wenn es um
Inklusion- und Exklusion geht. Und die Logik dieser Indifferenz ist vollkommene Gleichheit im Sinne perfekter Gleichgültigkeit. Der Unterschied, der dann im Blick auf Inklusion/Exklusion den Unterschied macht, kann folglich nur durch Organisationen hergestellt werden. Für die Angestellten, Professoren oder Dozenten gilt dann, dass auf dem Wege der Interaktion Inkludierung geschieht, was andersherum heißt, durch Vermeidung von Interaktion Exkludierung zu zu versuchen.

dazu ausfürlicher: Luhmann, Niklas: Die Gesellschaft und ihre Organisationen, in: Derlien, H.-U./Gehrhardt, U./Scharpf, F.W. (Hrsg.): Systemrationalität und Partialinteresse. Baden-Baden 1994, S. 189 – 201, hier S. 192.

Klaus Kusanowsky
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28.12.2011, 15:20
Beitrag: #4
RE: Hausarbeit: Luhmann und das Internet
Man kann immer daneben liegen, das ist wohl das Risiko von Ratschlägen, mit denen ich gern lebe Wink

Und ich würde dir bei den Exklusionsstrategien nicht widersprechen. Sie funktionieren auch, kaum noch gehen Studenten in die (meist sehr knapp bemessenen) Sprechstunden der Dozenten. Wohl auch eine Exklusionsstrategie: man macht die persönliche Ansprechbarkeit außerhalb der Seminare in hohem Maße knapp. Aber gerade weil die Exklusionsstrategien so gut funktionieren hat man heute meiner Erfahrung nach Chancen, doch gut betreut zu werden. Man ist dann nämlich einer der wenigen, die sich nicht abschrecken lassen. Und ist man einmal in der Sprechstunde, wirken eben andere Mechanismen. Während man eine Mail auch mal einfach nicht beantworten kann: In der Interaktion ist es eben nicht mehr so leicht, das Gegenüber einfach zu ignorieren, man muss es schon gut begründen, keine Ratschläge für die Hausarbeit zu geben (die natürlich auch daneben gehen können).
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28.12.2011, 17:21
Beitrag: #5
RE: Hausarbeit: Luhmann und das Internet
@autopoiet "In der Interaktion ist es eben nicht mehr so leicht, das Gegenüber einfach zu ignorieren" Das ist völlig unbestritten. Aber es geht nicht um die Betrachtung des individuellen und unwahrscheinlichen Einzelfalls, der sich ereignet, wenn Interaktion zwischen Dozent und Student nicht vermieden wurde, sondern um die Unwahrscheinlichkeit von kommunikativem Erfolg, also der Kongruenz von Erwartungserwartungen, wenn die Sanktionierungsstrukturen von Organisationen nicht mehr greifen. In dem Fall weicht man aus und beteiligt sich an Internetkommunkation, weil das Verhalten des universitären Personals den höchst voraussetzungreichen Fall des Gelinges von interaktiver Kongruenz ständig sabotiert. Insofern liegt es dann auch nahe, die Interkommunikation als Thema einer Hausarbeit zu wählen. Aber wie man bemerken kann, muss sich diese Internetkommunikation an die Erwartungen von interaktiver Kommunikation unter Anwesenden ausrichten. Und wenn dies misslingt, weil dies durch Internetkommunikation gar nicht geht, verdoppelt sich die strukturelle Hilflosigkeit; zuerst findet man sie an der Universität durch Vermeidungshandeln; und dann auch durch Interkommunikation, die ihre eigenen Möglichkeiten der Selbstorganisation durch Zurückverweis an die Organisation sabotiert, und damit ihre Erfolgwahrscheinlichkeit (gemeint ist eine Kongruenz von Erwartungserwartungen) verringert.

Klaus Kusanowsky
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02.01.2012, 09:18
Beitrag: #6
RE: Hausarbeit: Luhmann und das Internet
kusanowsky schrieb:@autopoiet "In der Interaktion ist es eben nicht mehr so leicht, das Gegenüber einfach zu ignorieren" Das ist völlig unbestritten. Aber es geht nicht um die Betrachtung des individuellen und unwahrscheinlichen Einzelfalls, der sich ereignet, wenn Interaktion zwischen Dozent und Student nicht vermieden wurde, sondern um die Unwahrscheinlichkeit von kommunikativem Erfolg, also der Kongruenz von Erwartungserwartungen, wenn die Sanktionierungsstrukturen von Organisationen nicht mehr greifen. In dem Fall weicht man aus und beteiligt sich an Internetkommunkation, weil das Verhalten des universitären Personals den höchst voraussetzungreichen Fall des Gelinges von interaktiver Kongruenz ständig sabotiert. Insofern liegt es dann auch nahe, die Interkommunikation als Thema einer Hausarbeit zu wählen. Aber wie man bemerken kann, muss sich diese Internetkommunikation an die Erwartungen von interaktiver Kommunikation unter Anwesenden ausrichten. Und wenn dies misslingt, weil dies durch Internetkommunikation gar nicht geht, verdoppelt sich die strukturelle Hilflosigkeit; zuerst findet man sie an der Universität durch Vermeidungshandeln; und dann auch durch Interkommunikation, die ihre eigenen Möglichkeiten der Selbstorganisation durch Zurückverweis an die Organisation sabotiert, und damit ihre Erfolgwahrscheinlichkeit (gemeint ist eine Kongruenz von Erwartungserwartungen) verringert.
danke so hab ichs am ende aufgefasst Smile
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02.01.2012, 11:01
Beitrag: #7
Internetkommunikation – Strukturen ohne Chefetage
@Roxy Ergänzen würde ich noch die Beobachtung, dass Diskussionen, die sich über Internetkommunikation ergeben, meistens entweder in Langeweile, in gegenseitigen Beileidigungen zerfallen oder deutlich machen, dass die kantengenaue Trennung von Spaß und Ernst nicht mehr durchhaltbar ist. Dies kann man auf allen Plattformen beobachten, bei Blogs, in Listen, Foren, bei Twitter. Der Grund dafür scheint mir zu sein, dass die Internetkommunikation nicht den Erwartungen auf Regelhaftigkeit entspricht, wie sie vor allem durch Organisationssysteme hergestellt werden. Die Strukturen der Internetkommunikation lassen keine Chefetag zu. Es gibt keine Sanktionierungsregeln, welche in der Interaktion den anwesenden Körper des Gegenübers beobachten könnte.

Will das nur anfügen, weil ich das aktuell in einen Blog-Post geschrieben hatte:
Der ganz Artikel hier: http://differentia.wordpress.com/2012/01...chefetage/

Klaus Kusanowsky
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