Empirie, Theorie, Methode, Methodologie, Forschungsprozess
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Silver
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Empirie, Theorie, Methode, Methodologie, Forschungsprozess
Hallo,
jedem Soziologiestudenten und Wissenschaftler sind diese Begriffe sicherlich irgendwie geläufig; dennoch denke ich, dass es hilfreich sein kann, wenn man sich die Bezogenheit dieser Begriffe in der Forschungspraxis immer wieder verdeutlicht. Ein Student, Wissenschaftler lernt immer wieder hinzu, es wird immer differenzierter in der Forschungspraxis erfahren, was eine "Theorie" sein kann, wie eine "MEthode" funktioniert, wie ein Forschungsprozess abläuft ect. .
Was zu Beginn lediglich als DEFINITIONEN auftrat wird auf diese Weise immer mehr Forschungswirklichkeit.
Theorie
„Theorie“ ist vielleicht der Begriff, der im Alltag noch am wahrscheinlichsten eine Verwendung findet: „Hast Du eine Theorie? Ja, ich habe eine Theorie. Es ist so... .“, fragt und antwortet Ego und Alter im Alltag für gewöhnlich.
"Theorie" stellt BEGRIFFE bereit und verbindet diese BEGRIFFE auf eine systematische Weise. Mit diesen Begriffen beschreiben wir den Gegenstandsbereich, dem wir uns in der Forschung zuwenden.
(Metatheorie:
Der Theorie-Begriff pluralisierte historisch und breitete sich schon im siebzehnten und achtzehnten Jahrhundert aus: von der „Theorie der Kunst zu Zanken“ über eine „Kurze Theorie der empfindsamen Gartenkunst“ bis hin zur „Theorie des Müssiggangs und der faulen Künste“ fand der Begriff „Theorie“ Verwendung, so dass die Einführung der Begriffe Wissenschaftstheorie, Wissenschaftslehre und Methodologie in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhundert und besonders im 19. Jahrhundert allzu verständlich erscheint, deren metatheoretische Aufgabe unter anderem die wissenschaftliche Bestimmung des Theoriebegriffs ausmachte.
Die Wissenschaftstheorie als Metatheorie hat es sich unter anderem zur Aufgabe gemacht, einen wissenschaftlichen Theorie-Begriff zu formulieren. Hier wurden im Laufe der Zeit unterschiedliche Theorie-Begriffe ausgearbeitet.)
Methoden
Wenn wir einen Forschungsprozess beginnen, dann können wir schon zu Beginn auf die verschiedensten Methoden zugreifen, wie wir uns einem Forschungsfeld nähern und wie wir die Daten im Forschungsfeld erheben. Anschließend stellt sich die Frage nach der Datenanalyse und schließlich nach der Darstellung der Ergebnisse. Mit den Methoden nähern wir uns also in einer regelhaften, intersubjektiv nachvollziehbaren Weise dem Gegenstandsbereich.
Empirie
Dasjenige, was wir mit einer Theorie zu beschreiben und eventuell zu erklären, was wir mit Methoden zu messen und deuten beachtsichten, das nennen wir „Empirie“. Empirie kann uns phänomenal anhand von empirischen Phänomenen zugänglich sein. Wissenschaftlich nähern wir uns den Phänomenen jedoch anhand von Methoden.
Hiermit muss kein ontologischer Anspruch verbunden sein.
Forschungsprozess
Die Anwendung der Methoden in einem praktischen Forschungsfeld vollzieht sich für gewöhnlich in einem Prozess, der als Forschungsprozess thematisiert und wissenschaftlich kontrolliert werden kann. Es gibt verschiedene Möglichkeiten, einen Forschungsprozess zu strukturieren/konzipieren.
Methodologie
Der Begriff Methodologie wird oftmals unterschiedlich verwendet. Manche Forschungsrichtungen verwenden den Begriff im Sinne einer Meta-Logik der Methoden: es geht hier um die Konstruktions-Prinzipien und die allgemeine Ausrichtung sowie um die Prinzipien der Anwendung der Methoden im Forschungsprozess. Manche Forschungsrichtungen verwenden den Begriff der Methodologie noch umfassender, und zwar als Kontroll-Perspektive der Vermittlung zwischen Theorie und Methoden sowie der Gestaltung des Forschungsprozesses über die Methoden- und Theorie-Arbeit hinaus. Es geht hier um die Methodologie eines Forschungsprogrammes oder ganz allgemein um „eine Lehre von der Vorgehensweise bei der wissenschaftlichen Tätigkeit“.
Die Methodologie ist der THEORIE und der METHODE übergeordnet und bezieht THEORIE und METHODE systematisch aufeinander.
Methodologische Aufgabe kann es auch sein, den epistemologischen/ontologischen Statuts einer Theorie zu klären.
-> Stellen die Begriffe lediglich "Konstrukte", "Idealtypen" oder stellen sie die Wirklichkeit dar? Derartige Fragen kann sich eine Methodologie widmen. Meist werden diese fragen implizit aus der Forschungspraxis heraus als pradigmatisch evident unterstellt.
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Wir können hier gerne über diese Bestimmungen und über das Verhältnis dieser Bestimmungen sprechen und uns über Erfahrungen der Forschungspraxis austauschen.
Beste Grüße,
Silver
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| 08.09.2009 16:56 |
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Leuchtturm
Interessierte(r)
 
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meine persönliche pragmatische vorgehensweise
hallo silver und andere,
auf mich wirken die etlichen komplizierten ratschläge (die es so gibt) zur vorgehensweise bei wissenschaftlichen arbeiten immer erschlagend (das bezieht sich jetzt in keiner weise auf deine ausführungen hier, silver!). meistens sind die so stark reglementiert und umfassend, dass ich mich gleich fühle, als könnte ich das niemals in kurzer zeit bewältigen (man hat an der uni nun mal nicht unbegrenzt zeit, alles perfekt zu machen). ich habe schon mehrere arbeiten geschrieben und habe festgestellt, dass ich weniger schnell die motivation verliere, wenn ich mir eine intuitive herangehensweise beware.
daher möchte ich diesen thread mal nutzen, um allen meine kurzen hinweisschritte für das anfertigen einer arbeit zu zeigen, an denen ich mich selbst orientieren möchte, wenn ich eine arbeit, die eine untersuchung beinhalten soll, neu beginne. es soll nur eine art pragmatische leitlinie sein und erhebt keinen anspruch auf absolute vollständigkeit der schritte:
1.
überlegen, welches thema interessant ist
2.
literatur durchlesen, um zu wissen, WAS man untersuchen kann (was wurde noch nicht gemacht, was gibt es für gute anschlussmöglichkeiten etc.) und WIE: welche nützlichen/ähnlichen methoden gibt es vielleicht schon bei dem, was einen selbst interessiert? wenns nichts gutes gibt: intuitiv eigene vorgehensweise überlegen und später schriftlich rechtfertigen. NICHT danach gehen: diese oder jene qual./quant. methode ist generell üblich in der soziologie, deshalb muss ich jetzt irgendeine davon auswählen.
3.
gliederung machen, kurzen teil zur vorgehensweise schreiben (damit man selbst nicht die orientierung verliert)
4.
anfangen mit der untersuchung und teile vom untersuchungsteil schon schreiben, damit der theorieteil nicht unnötig platzt (man weiß allerdings schon die wirklich relevanten sachen aus dem theorieteil, weil man sie gelesen hat und kann so darauf achten, dass man sachen untersucht, die theorie-mäßig später gestützt werden können)
5.
theorieteil schreiben, der literatur von anderen wissenschaftler einbezieht (weil die untersuchung schon klar ist kann er jetzt kurz sein und ufert nicht in irrelevantes gebrabbel aus)
6. einleitung und zusammenfassung schreiben, die teile vorgehensweise (z.b. rechtfertigung) und untersuchung zuende ausbauen - fertig
beste grüße,
der leichtturm
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| 18.09.2009 12:53 |
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Silver
Mitglied
  
Beiträge: 26
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Offline
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RE: meine persönliche pragmatische vorgehensweise
Hallo Leuchtturm,
auf mich wirken die etlichen komplizierten ratschläge (die es so gibt) zur vorgehensweise bei wissenschaftlichen arbeiten immer erschlagend (das bezieht sich jetzt in keiner weise auf deine ausführungen hier, silver!). meistens sind die so stark reglementiert und umfassend, dass ich mich gleich fühle, als könnte ich das niemals in kurzer zeit bewältigen
ok, das kann ich nachvollziehen. Wenn es sich um eine empirische Fragestellung handelt, dann kann ich aber hierfür den Ansatz der "grounded theory" empfehlen, der am intuitiven Verständnis ansetzt. Es ist hier gar nicht nötig, in die methodischen Details zu gehen; es reicht aus, sich einfach die drei Forschungsphasen zu vergegenwärtigen und diesen "stets kreisend" zu folgen.
Man orientiert sich dann also einfach an einem allgemeinen, intuitiven "Forschungsprozessverfahren".
daher möchte ich diesen thread mal nutzen, um allen meine kurzen hinweisschritte für das anfertigen einer arbeit zu zeigen, an denen ich mich selbst orientieren möchte, wenn ich eine arbeit, die eine untersuchung beinhalten soll, neu beginne. es soll nur eine art pragmatische leitlinie sein und erhebt keinen anspruch auf absolute vollständigkeit der schritte:
ok, interessant. Finde ich gut, dass du diesen Thread nutzt - so allgemein hatte ich mir das auch vorgestellt.
2.
literatur durchlesen, um zu wissen, WAS man untersuchen kann (was wurde noch nicht gemacht, was gibt es für gute anschlussmöglichkeiten etc.) und WIE: welche nützlichen/ähnlichen methoden gibt es vielleicht schon bei dem, was einen selbst interessiert? wenns nichts gutes gibt: intuitiv eigene vorgehensweise überlegen und später schriftlich rechtfertigen. NICHT danach gehen: diese oder jene qual./quant. methode ist generell üblich in der soziologie, deshalb muss ich jetzt irgendeine davon auswählen.
Ja, ich kann hier nur zustimmen. Ich kann auch nur den Rat geben, in den ersten Jahren den eigenen Fragestellungen zu folgen und hierfür dann geeignete Methoden heranzuziehen.
Später, wenn mensch seinen Methoden-Katalog ergänzen möchte, kann es auch sinnvoll sein, in Hinsicht auf eine Methode eine geeignete Fragestellung zu wählen, aber mensch sollte sich anfangs nicht auf eine Methode, einen Ansatz spezialiseren und dann Forschungsfragen erfinden, welche dieser Richtung folgen.
Beste Grüße,
Silver
Dieser Beitrag wurde zuletzt bearbeitet: 18.09.2009 17:40 von Silver.
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| 18.09.2009 17:37 |
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korrekter Gast
Unregistered
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RE: Empirie, Theorie, Methode, Methodologie, Forschungsprozess
Hier redet mensch wohl politisch korrekt, wie sich das für Soziologen gehört. ;D
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| 18.09.2009 17:51 |
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