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Einschätzung: Bachelor / Diplom
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Beitrag: #1
Einschätzung: Bachelor / Diplom

In letzter Zeit haben fast alle Unis die Diplomstudiengänge für Soziologie auslaufen lassen und durch einen "Bachelor of Arts" (B.A.) ersetzt. Geht der Soziologie dadurch etwas verloren oder ist es eher ein notwendiger und guter Schritt in Richtung Zukunft? Welche Vor- und Nachteile überwiegen? Was denkt ihr?

23.08.2007 21:16
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Autopoiet
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Beitrag: #2
RE: Einschätzung: Bachelor / Diplom

Es geht den Geisteswissenschaften dadurch einiges verlohren. Denn das Studium lädt kaum zur Eigeninitiative ein, der Stundenplan ist vorgegeben und vollgepackt. Das mag zum Vorteil für viele mittelmäßig bis gar nicht interessierte Studierende sein, weil sie so sicher und schnell durchs Studium geschleust werden. Das Problem, dass man nach 15 Semestern noch nicht sein Studium hat, wird verschwinden. Aber ob es dieser Studiengang die selbe wissenschaftliche Qualität hervorbringt, wie das Diplom, bleibt abzuwarten - und ich bezweifle dies. Denn keiner wird motiviert, freiwillig noch etwas Zusätzliches, speziell für ihn interessantes zu machen. Wenn es in jedem Seminar für irgendetwas eine fragwürdige Note gibt und auch noch Anwesenheitspflicht in den trivialsten Turorien, verschwindet die versprochene Freiheit, die ich mir vom Studium gewünscht habe.

Kurz: alles scheint mir sehr verschult und die wissenschaftliche Athmosphäre geht immer mehr verlohren. Letztens sollte sogar die Beteiligung in einem Tutorium beurteilt werden!
Allerdings kann ich leider nicht auf Erfahrungen aufs Diplom zurückgreifen, daher können die von mir angesprochenen Probleme auch einfach nur ein Phänomen des Massenstudiums sein, welches durch den Bachelor jetzt legitimiert und gefestigt wird.

Die neue Studienordnung geht nicht mehr vom selbstständigen Studenten aus, der aus Motivation ins Studium geht und sich selbst organisiert, sondern von Schülern, die solche bleiben wollen, und möglichst schnell für den Arbeitsplatz fit gemacht werden sollen. Für die Wissenschaft wird kaum noch ausgebildet.

Dieser Beitrag wurde zuletzt bearbeitet: 24.08.2007 16:31 von Autopoiet.

24.08.2007 16:30
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xgrynchx
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Beitrag: #3
RE: Einschätzung: Bachelor / Diplom

Die wissenschaftliche Ausbildung steht doch dann im Master im Vordergrund, oder seh ich das falsch?!

24.08.2007 17:14
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HROFrank
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Beitrag: #4
RE: Einschätzung: Bachelor / Diplom

Autopoiet schrieb:
Denn keiner wird motiviert, freiwillig noch etwas Zusätzliches, speziell für ihn interessantes zu machen.

Das liegt dann aber an den Leuten und nicht am doofen Bachelor. Wer nur das macht, was er machen muß, sollte meiner Meinung nach sich nicht über sein Studium beschweren (ohne jemanden damit ansprechen zu wollen!). Smile

Autopoiet schrieb:
Wenn es in jedem Seminar für irgendetwas eine fragwürdige Note gibt und auch noch Anwesenheitspflicht in den trivialsten Turorien, verschwindet die versprochene Freiheit, die ich mir vom Studium gewünscht habe.

das stimmt. das ist manchmal blöd gelöst. allerdings liegt das problem da wohl eher an schlechten tutoren und dozenten,,

Autopoiet schrieb:
Die neue Studienordnung geht nicht mehr vom selbstständigen Studenten aus, der aus Motivation ins Studium geht und sich selbst organisiert, sondern von Schülern, die solche bleiben wollen, und möglichst schnell für den Arbeitsplatz fit gemacht werden sollen. Für die Wissenschaft wird kaum noch ausgebildet.

nun, zum einen soll der bachelor ja auch "nur" für die arbeitswelt fit machen, wissenschaft ist nachher der master und zum anderen sind studenten nunmal faul. aus dem einfachen grund, weil sie auch nur menschen sind..

wer wirklich was nebenbei für sich und seine interesse machen will, kann dies nach wie vor. mir brauch keiner was von mangelnder zeit erzählen, wenn die leute zeit haben 3-5mal in der woche ihr bafög unter die partyveranstaltungen im städtischen nachtleben zu tragen.. Wink

"zeit ist das, was man nie hat, aber sich einfach nimmt!" - wer herausstechen will aus der masse bzw. sich wirklich interessiert und etwas machen will, kann das auch heute noch nach wie vor. und das sage ich nicht, weil ich es glaube, sondern weil ich es mir selbst immer wieder aufs neue beweise.. Big Grin

was ich dagegen als großes problem sehe, ist, dass die dozenten teilweise noch nicht den sinn des bachelors verstanden haben. nur weil das arme deutsche diplom auf einmal nicht mehr da ist, heißt das nicht, dass man sich gegen das neue versperren sollte und es so (ob bewußt oder nicht) den studenten schwerer machen. dadurch, dass ich studentischer vertreter im prüfungsausschuss bin, fällt mir um so mehr immer wieder auf, wie schwer sich alt eingesessene professoren damit tun, sich an ein neues system zu gewöhnen, dass von den studenten zwar alles verlangt, aber genauso auch von den professoren ein entgegenkommen an die studenten. es gibt nunmal keine "üben"-phase, wie im vordiplom. im bachelor zählt vom ersten tag an jede zensur und fehlende oder schlechte einführungen gerade an erstsemestler können zum todenstoß für die motivation und zum fallstrick für spätere noten werden..

Dieser Beitrag wurde zuletzt bearbeitet: 24.08.2007 18:31 von HROFrank.

24.08.2007 18:27
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Autopoiet
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Beitrag: #5
RE: Einschätzung: Bachelor / Diplom

Klar, man kann die Studienordnung nicht für alles verantwortlich machen und der Student spielt selbst ne große Rolle. Aus einem Stein kann man keinen Diamanten schleifen.
Aber dennoch bin ich der Meinung, dass die Art der Studienordung großen Einfluss auf die Arbeitsmotivation und -weise hat. Die Struktur formt, ob man nun meint, man könnte sich dagegen wehren, oder nicht. Und ich empfinde es nicht positiv, welche Arbeitsweise vom Bachelor nahegelegt wird, denn diese ist sehr an der Oberstufe orientiert. Mach das, was auf dem Studenplan steht und pass auf, dass du gute Noten schreibst, weil du später für alles gerade stehst.
Ich selbst würde mich als "wirklich interessiert" beschreiben und ich mache auch viel außerhalb des Plans, wie z.B. ein Masterseminar im nächsten Semester, aber von der Studienordung werden einem schon Steine in den Weg gelegt, wenn man etwas anders machen möchte. Vor allem, weil man im Seminar seine Fähigkeiten nicht beweisen kann und man teilweise mit den selben Leistungsbescheinigungen abgestempelt wird, wie solche, die sich eben perfekt an die Strukturen anpassen, aber gar nicht wissen, was sie da eigentlich machen. Es ist nicht einfach, sich da dauerhaft zu motivieren. Auch wenn ich manchmal ech einen Hals auf diese Situation habe, da der Bachelor in meiner Kohorte bisher keine theorieinteressierten Gleichgesinnte zu produzieren scheint. Wink

Weiss eigentlich jemand, wie sich das statistisch entwickelt? Mir scheint, als ob es eine viel geringere Abbruchrate gibt, wenn man so hört, dass es im Diplom bis 80% waren. Und welche Konsequenzen wird das, neben überfüllten Lehrveranstaltungen, haben?

25.08.2007 10:04
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HROFrank
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Beitrag: #6
RE: Einschätzung: Bachelor / Diplom

Autopoiet schrieb:
Auch wenn ich manchmal ech einen Hals auf diese Situation habe, da der Bachelor in meiner Kohorte bisher keine theorieinteressierten Gleichgesinnte zu produzieren scheint. Wink

*lach* das kenn ich, das wird dann aber da können die anderen ja nix für Wink

Autopoiet schrieb:
Weiss eigentlich jemand, wie sich das statistisch entwickelt? Mir scheint, als ob es eine viel geringere Abbruchrate gibt, wenn man so hört, dass es im Diplom bis 80% waren. Und welche Konsequenzen wird das, neben überfüllten Lehrveranstaltungen, haben?

also jeder vergleich wäre eine absolute zahlenspielerei. studienordnungen ändern sich, veranstaltungen sind verschieden und selbst standart-veranstaltung werden verschieden geführt an den universitäten. ich geh doch auch nicht auf den markt und guck ob birnen, äpfel oder pflaumen dieses jahr reifer sind und mach die steigende mehrwertsteuer dafür verantwortlich.. Wink

anstatt rumzujammern, sollten gerade die profs mit gutem beispiel vorrangehen und sich an das system (was komischerweise überall in europa sonst ja auch funktionierte, aber liegt wohl nur daran, dass das goldene diplom unser allein war) gewöhnen und die studenten entsprechend ausbilden. damit meine ich jetzt keine gehirnwäsche, sondern vielmehr, dass profs sich klar werden, dass nunmal wirklich jede note in den abschluß mit einfließt. das merkt man viel zu oft auch in gesprächen in entsprechenden runden, dass die umgewöhnung nicht nur den studenten alles andere als leicht fällt.. :/

25.08.2007 14:05
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L00-M4N
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Beitrag: #7
RE: Einschätzung: Bachelor / Diplom

naja, ich seh das mit dem ba erlich gesagt etwas kritischer. meine persoenliche erfahrung ist da, dass ich nach 2 semestern eigentlich nur noch demotiviert war und zwar aus den selben gruenden wie in der schule. es gibt diese nervige anwesenheitspflicht, wo ich eine vielzahl von seminaren besuchen muss, die mich, sowie fast alle anderen im raum nicht oder fast nicht interessieren. diese vielzahl ist nebenbei auch nicht gerade gering. dann verlangt jeder dozent, den es scheinbar nen dreck interessiert was man sonst noch fur kurse hat, noch ein maximum an arbeitsaufwand nur fuer seinen kurs. das hat zur folge, dass viele leute ihre texte eher sporadisch denn regelmaessig lesen. das wiederum hat ein flaues gefuehl in der magengegend zur folge. man steht dauerhaft unter einer art leistungsdruck. an das weiterbilden auf eigeninitiative ist aufgrund der schieren menge der texte schon mal garnicht zu denken. auch innerhalb des themenbereiches eines kurses sieht es aus dem grund eher uebel aus. die oberflaechentexte, die man en masse vorgesetzt bekommt wiederholen sich irgendwann dann auch; das laesst die motivation antuerlich in unerahnte hoehen schiessen. das alles hat bei mir mittlerweile dieses schulsyndrom zu folge: ich mag dinge, die mal in der schule dran waren, aber nur nachdem ich damit nicht mehr in der schule konfrontiert bin.

ich frage mich auch, wie hier behauptet werden kann, die wissenschaftliche ausbildung erfolge dann im master. wenn ich im ba (die methoden mal ausgenommen) theorien lese und mich damit auf verschiedenste art beschaeftige, sowie dinge wie eine feldforschung betreibe, dann ist das, jedenfals fuer mich, ganz klar eine wissenschaftliche ausbildung.

zuletzt komme ich noch auf das internationale zu sprechen, dass hier auch erwaehnt wird. von einem dozenten weiss ich beispielsweise, dass in england, wo es ja auch ba/ma gibt, im schnitt eher 3 kurse pro semester gewaehlt werden. dafuer sind das dann auch richtige kurse mit mehr text zu einem thema, so dass man sich wirklich zumindest ein wenig auskennt, sowie mehr wochenstunden. es ist international, soweit ich jedenfalls weiss, so, dass es diese strikte 3/2 jahresstruktur nicht ueberall gibt. wollte jedenfalls nur darauf hinweisen, dass die ba/ma modelle international voellig verschieden sind.

27.08.2007 20:04
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